
| Für Jamal auf die Straße | ||
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| Eschwege. Wenn am morgigen Freitag in ganz Hessen die Schüler in die Weihnachtsferien gehen, dann gehen in der Kreisstadt die Kinder und Jugendlichen auf die Straße: Eschweger Schüler protestieren gegen die Abschiebung des jungen Armeniers Jamal Hasanov. Jamal, der die zehnte Klasse der Anne-Frank-Schule besuchte, wurde am vergangenen Mittwoch gezwungen, die Bundesrepublik Deutschland zu verlassen. |
480 Jugendliche demonstrieren in Eschwege
gegen die Abschiebung der Familie Hasanov
Eschwege. Sie sind gegen die Abschiebung von Familie Hasanov. Sie sind gegen unüberlegtes Handeln und für mehr Humanität und Fair-ness. Die Schüler der Anne-Frank-Schule, die am Freitag mit zahlreichen weiteren ,Abschiebungs-Gegnern’ für Jamal und seine Familie auf die Straße gingen. Insgesamt 480 Demonstranten versammelten sich an der Stadthalle in Eschwege und zogen dann gemeinsam durch die Innenstadt in Richtung Landgrafenschloss zur Abschlusskundgebung. Denn mit dem Schicksal ihres abgeschobenen Mitschülers Jamal Hasanov wollen sich die Kinder und Jugendlichen nicht abfinden. „Wir finden es ungerecht, dass Jamal und sein Vater gehen mussten“, so eine Schülerin der Anne-Frank-Schule. Und das ist noch nicht genug. Auch der Rest der Familie, Jamals Bruder Alik, der große Bruder Vito, der spurlos verschwunden ist und seine Mutter müssen bald gehen. Doch sie dürfen vorerst noch auf dem Heuberg in Eschwege wohnen bleiben, weil der 14-jährige Alik noch von einer Blinddarmoperation geschwächt ist. Doch dann heißt es auch für sie: Koffer packen!
Der Hintergrund
Der Hintergrund: Die Familie Hasanov war vor ungefähr sechs Jahren aus ihrem Heimatland Armenien geflüchtet, weil sie politisch verfolgt wurde. Die Hasanovs integrierten sich schnell in Eschwege. Sie waren sportlich aktiv und die Jugendlichen zeigten gute schulische Leistungen. „Jamal war Klassenbester an der Anne-Frank-Schule und vor drei Monaten wurde der 16-Jährige sogar mit einem Stipendium der Hertie-Stiftung ausgezeichnet“, so Schulleiter Edgar Ingrisch. Doch das interessierte die zentrale Ausländerbehörde des Regierungspräsidiums Kassel nur wenig. Hier wurde weder nach persönlichen Verhältnissen noch nach Gerechtigkeit geschaut. Fakt ist, dass die politischen Verhältnisse in Armenien sich wieder beruhigt haben und es nun keinen Anlass mehr gibt, die Familie weiterhin in Deutschland unterzubringen. mehr
Über die Umstände der Abschiebung und die dadurch erzwungene Trennung der Familie Hasanov, ist Sigrid Erfurth, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sehr verwundert.
„Ich habe in einem Schreiben an den RP Kassel um die Beantwortung einer Reihe von Fragen im Zusammenhang mit der Abschiebung von Jamal Hasanov und seines Vaters gebeten. Unter anderem möchte ich wissen, welche Gründe die überfallartige Abschiebung zwingenden notwendig erscheinen ließen, warum Jamal Hasanov seine schulische Ausbildung nicht wenigstens noch beenden konnte und warum die Erkrankung des Bruders von Jamal Hasanov dabei scheinbar unbeachtet blieb.", so Sigrid Erfurth.
Während die Mutter und der jüngere Bruder von Jamal Hasanov noch in Eschwege verbleiben konnten, wurden Jamal Hasanov und sein Vater nach Armenien ausgeflogen. Sie müssen nun völlig mittellos versuchen, in dem Land, aus dem sie vor Jahren geflohen sind, zu überleben. Es ist ungeklärt, wie die durch die deutschen Behörden zerrissene Familie wieder zusammen finden könnte.
„Ich bin sehr betroffen über das in der örtlichen Presse geschilderte Vorgehen hessischer Behörden gegenüber Menschen, die in Hessen Schutz gesucht haben. Jamal Hasanov war ein herausragender Schüler und darüber hinaus auch ehrenamtlich engagiert. Wir brauchen junge Menschen, wie Jamal Hasanov im Werra-Meißner-Kreis. Das geltende Recht macht eine Rückkehr von Jamal Hasanov und seinem Vater aber faktisch unmöglich. Nach einer Abschiebung wird keine Erlaubnis zur Einreise erteilt und zuvor müssten die Kosten für die Abschiebung durch die Hasanovs beglichen werden. Vor diesem Hintergrund wird die vollzogene Abschiebepraxis des RP für mich noch unverständlicher und ich frage mich, ob nicht eine Kompromisslösung im Sinne der Familie möglich gewesen wäre", macht Sigrid Erfurth, die auch Vorsitzende der Kreistagsfraktion der Grünen ist, deutlich.