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Rechts(d)ruck unter Jugendlichen in Wetzlar?

Aus einem Interview

Rassismus, Diskriminierung von Fremden, Umtriebe von Neonazis: Die Vertreter der Bundesregierung mussten sich vor den Vereinten Nationen herbe Kritik über die Menschenrechtslage in Deutschland anhören. Der UN-Menschenrechtsrat, oberstes globales Gremium gegen Unterdrückung, Folter und Gewalt, hatte die Deutschen erstmals nach Genf geladen – alle anderen UN-Mitglieder müssen sich auch einer Überprüfung stellen. „In Deutschland gibt es Schwierigkeiten“, räumte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, zu Beginn der Anhörung ein. Er nannte Mängel bei der Integration von Ausländern, bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau und rechtsextreme Delikte.


Können Sie die Kritik des UN-Menschenrechtsrats bestätigen? Was beobachten Sie vor Ort - in Wetzlar?

 

Ich bin Pastoralreferent in der katholischen Domgemeinde. Durch meine Arbeit in Schule und Stadtteil komme ich vor allem mit Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren zusammen.

In den letzten 8 Jahren beobachte ich eine wachsende Tendenz   von „nationalem Gedankengut“ bei Jugendlichen. Die meisten Jugendlichen sind hier geboren oder haben ihre Kindheit in Wetzlar verbracht. Trotzdem spielt "die Herkunft"  immer stärker eine Rolle in der Eigen- und Fremdwahrnehmung.

Das Gemeinsame als Wetzlarer/in wird vernachlässigt. Stigmatisierungen und Abgrenzungen gegenüber anderen Gruppen werden oft national begründet: „Wir/Ihr sind/seid die Russen, die Türken, die Albaner, die Gettokings“, etc...

Gewalt wird oft der anderen ethnischen/kulturellen Gruppe angedroht. Immer wieder geht es um eine Vormachtstellung und Revierabgrenzung in der Diskothek, in der Schule, im Bus, auf einer Party oder im Einkaufszentrum.

Die Stadtteile sind ethnisch/kultuell geprägt, wobei auch zu beobachten ist, dass manchmal mehr der Stadtteil als Identifikationspunkt im Vordergrund steht als die Herkunft.

Sexismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ist ein alltägliches Phänomen geworden. Die andere Gruppe verbal zu diskriminieren ist in der Jugendkultur - vor allem in der Musikszene - eine Stilform (Mode, Style) geworden. Dissen ((von engl. disrespect, discriminate oder discredit und als Abkürzung für diskreditieren oder diskriminieren), Batteln (sich bekämpfen, meist bei Onlinespielen oder auch bei Hip-Hop Veranstaltungen auf der Bühne) und Beleidigen gehört zum „guten Ton“ der Jugendsprache.

Dem „Opfer“ schenkt man nicht Mitleid, sondern Verachtung. Sexuelle Diskriminierungen gehören zum Alltagsjargon der Jugendlichen: „Neger (Türken)-Schlampe, Schwule Sau, Schwuchtel, Arschficker…“

Die Neonaziszene hat sich die allgemeine gesellschaftliche Verrohung zueigen gemacht. Noch vor ca 5 Jahren war es eher ein ostdeutsches Phänomen, der „rechten Szene“ anzugehören. Rechtsradikale Skinheads fristeten ein Außenseiterdasein.

Mittlerweile haben sich die „Autonomen Nationalen“ zu einer eigenen Jugendkultur gemausert. Sie haben ihre eigenen Symbole und strahlen mit ihrer „Mode“, kopiert aus der linksautonomen Szene, eine neue Attraktivität aus.Tätowierungen und Piercing gelten nicht mehr als pervers, sondern unterstreichen den "knallharten" Körperkult.

Rassistische Äußerungen gehören zum Standardvokabular der Neonazis: „Deutschland den Deutschen, Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen! Ali, Mehmet, Mustafa – geht zurück nach Ankara! Kriminelle Ausländer raus – und die anderen auch! Wir sind inländerfreundlich. Ausreise statt Einreise…“ , sind einige ihrer Parolen. Immer noch hetzen sie gegen jüdische und muslimische Gläubige und sorgen für ein Comeback der nationalsozialistischen Kampfbegriffe. Homosexuelle Menschen werden von ihnen genauso diffamiert und beleidigt wie Sinti und Romas. Behinderte Menschen werdenausgelassen.

An dieser Stelle darf man nicht vergessen, dass Sinti und Roma („Zigeuner“), Juden und Homosexuelle in vielen „nationalen Subkulturen“ Zielpunkt der Diskriminierungen sind, d.h. von mehreren Seiten angegriffen werden.   

Stärke und Übermacht gegenüber Minderheiten zu zeigen ist zum „Jugend-Mainstream“ geworden. Seelisches Mobbing erlebt man jeden Tag in den Casting-Shows. Auf Kosten der Anderen zu Lachen und Geld zu verdienen gehört zum Geschäft der "Jugendmedien".

Eigene Schwächen, Ängste und Frustrationserfahrungen wie z.B. Verlust des Arbeitsplatzes, finanzielle Sorgen, familiäre Katastrophen, schulische Misserfolge, Mobbing und Suchtprobleme werden verdrängt und ideologisch umgeleitet -  auf ein gemeinsames Feindbild und eine neue Identitätserfahrung in der homogenen Gruppe.

Ich beobachte, dass die Fähigkeit zur Kommunikation und Dialog rapide abnimmt. Demokratische Übungsfelder und aktive gesellschaftliche Teilhabe sind eingeschlafen oder werden nicht angeboten. Die vielschichtige Welt der Emotionen wird oft durch 5 - 10 Wörter und Halbsätze reduziert: "behindert, cool, schwul, geil, hab dich lieb, fick dich oder du Opfer..."

 

Am Ende darf ich aber nicht vergessen zu sagen, dass die „neue rechte Jugendkultur“ auf dem großen Feld eines rechtskonservativen Nährbodens gedeiht. Die These einer kulturellen und religiösen Überfremdung und der Wunsch nach einer homogenen monokulturellen Gesellschaft finden sich in vielen politischen und religiösen Gruppen wieder und ist damit nicht nur ein Thema der Jugendkultur.

Diskussionen und Umfragen aus der jüngsten Vergangenheit (Interview mit Sarrazin, Volksabstimmung in der Schweiz, „Vorurteile gegen Fremde in Europa weit verbreitet“ http://www.welt.de/wissenschaft/) zeigen, dass eine Mehrheit Zweifel und Angst vor einer „multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft“ hat. Das Vertrauen auf die Kraft der Demokratie und eines gleichberechtigten Dialoges schwindet.

Der deutsche Staat muss sich auch die Frage gefallen lassen, inwieweit seine Gesetzgebung und deren Ausübung der Achtung der Menschenrechte entspricht. Die mangelhafte Integrationspolitik  und die unheilvolle Abschottungspolitik der vergangenen 40 Jahre – von der Aufnahme der ersten „GastarbeiterInnen“ bis zur aktuellen Flüchtlingspolitik – hat zahlreiche Menschenrechtsverletzungen hervorgerufen.

Familien nach einem langjährigen Aufenthalt in ein ihnen fremdgewordenes Land abzuschieben, Menschen in ein Abschiebegefängnis einzuschließen, Kinder ohne Papiere die Bildung zu verweigern und Flüchtlingen eine Residenzpflicht aufzuerlegen sind einige Beispiele für die Missachtung der Menschenrechte.

Es gehört leider zu der alltäglichen Erfahrung vieler Menschen mit Migrationserfahrung, dass sie sich in Deutschland als „unerwünscht“ erleben. Eine Erfahrung, die bei einem Kind schwerwiegende Traumata hervorrufen kann.

Koppelt sich dies mit der Erfahrung "du bist ein Versager", dann werden gesellschaftlioche Fluchtecken gesucht, in denen man mit oder ohne Drogen von einer besseren Überwelt träumen kann.

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